Sicherheit

Sicher unterwegs in Höhlen mit einem guten Gefühl

Die folgenden Hinweise können als Basis dienen, um eine sichere Höhlenbefahrung zu planen und zu gestalten. Bedenke aber, dass jede Höhle ihre eigenen Gesetze hat und dass sich manche Bedingungen schnell ändern können, so dass jede Befahrung sorgfältig geplant werden muss.

Höhlenforscher im Gegenlicht, als würde er durch einen Tunnel in's Licht gehen

1 - Planung

  1. Gehe niemals allein in eine Höhle! Gute Ausrüstung, Kondition und entsprechende Erfahrung sind Grundvoraussetzungen für gelungene Höhlentouren. Für lange und/oder schwierige Touren soll die Gruppe aus mindestens drei Personen bestehen. Plane Touren, die du und deine Begleiter_innen sich zutrauen - Richte das Ziel und die Tourenlänge nach dem/der konditionell schwächsten Teilnehmer_in der Gruppe aus.

  2. Besorge dir Unterlagen: z.B. Landkarten, Höhlenpläne, Zugangsbeschreibungen, etc. Informiere dich bei Personen, die die Höhle und den Zustieg bereits kennen.

  3. Plane genügend Zeit für die Suche nach dem Höhleneingang ein.

  4. Manche Höhlen liegen auf Privatgrund, so dass das Einholen einer Erlaubnis beim Grundstückseigentümer erforderlich ist.

  5. Was ist der Zweck der Tour? Besichtigen, Fotografieren, Forschen, eine Vereinsfahrt, Vermessung, Vorbereitung zu einer längeren Forschung. Danach richtet sich die Zeitplanung.

  6. Kalkuliere genügend Zeitreserve ein:

    • größere Gruppen brauchen mehr Zeit für dieselbe Tour als 2-3 Personen; das gilt besonders für Höhlen mit Engstellen oder Seilstellen.

    • plane für die Heimreise müdigkeitsbedingte Pausen ein

    • plane verkehrsbedingte Verzögerungen bei An- und Abfahrt ein.

  7. Lege zusätzlich die Alarmzeit fest.

    • Wähle einen vernünftigen Kompromiss zwischen genügend Sicherheitspolster für harmlose Verzögerungen und rechtzeitiger Alarmierung im Ernstfall.

    • Kalkuliere schlechten Handyempfang im Gelände mit ein!

  8. Beobachte die Wetterentwicklung und hole kurz vor der Tour nochmals den aktuellen Wetterbericht ein (z.B. www.zamg.ac.at). Gewitter, Nebel, Wintereinbruch und Schnee können Orientierung und Vorwärtskommen im Gelände erheblich erschweren. Ein Schlechtwettereinbruch kann die gesamte Tour gefährden oder den Rückweg verhindern! (z.B. Wassereinbruch in der Höhle nach einem Gewitter) Besondere Vorsicht ist daher bei hochwassergefährdeten Höhlen geboten!

Auf dem Boden ausgelegte Materialsammlung mit Ausrüstung für einen Höhlentour

2 - Vorbereitung

  1. Ausrüstung
    Überprüfe rechtzeitig vor einer Tour die Funktion und Vollständigkeit deiner Ausrüstung:

    • Anseilgurt und Selbstsicherung auf Scheuerstellen und aufgerissene Nähte

    • Steigklemmen, Abseilgerät und Karabiner auf Beschädigung, Abnützung bzw. Leichtgängigkeit

    • Stirnlampe auf Funktionstüchtigkeit (Reservebatterien, Reserve Akku)

    • mindestens eine, besser zwei Ersatzlampen mitnehmen

    • Seile auf Scheuerstellen und Mantelbeschädigungen

    • Notfallapotheke mit Verbandsmaterial auf Inhalt, Ablaufdatum und Verwendbarkeit

    • Verpflegung und Getränke.

  2. Notfallapotheke
    Jede_r Teilnehmer_in hat seine eigene Alu-Rettungsdecke mit. Der Schutz vor Unterkühlung ist im Ernstfall besonders wichtig. Darüber hinaus ist zu empfehlen, dass jeder über seine eigene Notfallapotheke verfügt. Diese wird wasser- und stoßfest verpackt und soll mindestens beinhalten:

    • Alu-Rettungsdecke

    • Einmalhandschuhe

    • Verbandsmaterial (Mullbinden, Wundauflagen, Pflaster...)

    • Dreiecktuch ev. Samsplint (zur Schienung bzw. Stabilisierung)

    • Wärmeversorgung (z.B. Ready-Heat Produkte in verschiedenen Größen)

    • Schere, Messer

  3. Alarmzeit deponieren (WO unterwegs? WANN zurück?)
    Der wohl wichtigste Punkt wird oft vernachlässigt. Hinterlege bei einer Person deines Vertrauens folgende Daten:

    • Welche Höhle besuchen wir? Name der Höhle, Ortsangabe, Katasternummer, Berg, GPS Koordinaten...

    • Von welchem Ausgangspunkt beginnt unsere Tour? Ortschaft, Parkplatz, wo steht unser Fahrzeug, Kennzeichen bei Vermisstensuche hilfreich

    • Wann melden wir uns spätestens zurück? Beachte bei Mehrtagestouren Zeit und Datum (bei Zeitangaben z.B. 15:00 Uhr verwenden und nicht 3 Uhr)

    • Lege eine Alarmzeit fest, bei deren Überschreiten die Höhlenrettung alarmiert wird - Alpinnotruf 140. Eine vernünftige Alarmzeit beinhaltet auch, dass Rettungskräfte zwischen 23:00 und 06:00 Uhr wahrscheinlich schlafen. Also lege die Alarmzeit vor 23:00 oder ab 06:00 Uhr fest.

    • Wo werden wir uns in der Höhle aufhalten? Höhlenteil, Etage…

    • Mit wem gehe ich auf Tour? Personenanzahl, Namen

Höhlengurt mit Abseilgerät, Standschlingen und Bruststeigklemme

3 - In der Höhle

  1. Bevor du einsteigst, mache einen Partner_innencheck (Ausrüstung, Anseilgurt…)

  2. Verliere nie die Orientierung in der Höhle. Blicke immer wieder mal zurück, um den Rückweg leichter zu finden. Präge dir an neuralgischen Punkten den Raum mit der richtigen Abzweigung ein.

  3. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Steinschlaggefahr: Räume beim Schachtrand alles lose Gestein beiseite, bevor Material eingebaut wird oder jemand in den Gefahrenbereich einsteigt. Achte auf Seilschlingen, die bei Bewegung Steinschlag auslösen könnten.

  4. Achte auf genügend Flüssigkeitszufuhr. Pausen mit warmen Mahlzeiten oder heißem Tee sind besondere Kraftspender.

  5. Achte während der Befahrung bei deinen Kameraden_innen und dir selbst auf Anzeichen von Müdigkeit, Erschöpfung, Überforderung und Unterkühlung.

  6. Überschätze nie die Kondition der Gruppe bzw. die eigene. Solltest du oder eine_r deiner Begleiter_innen einer Tour doch nicht gewachsen sein, kehrt rechtzeitg um. Sobald Kondition oder Befahrungstechnik verbessert sind, könnt ihr euch wieder an diese Tour heranwagen.

  7. Beginnt rechtzeitig mit dem Rückweg, besonders bei ausgedehnten Engstellen und Schachthöhlen. Plane Kraftreserven für unvorhersehbare Schwierigkeiten oder Verzögerungen ein.

  8. Gehe kein unnötiges Risiko ein (nicht springen oder waghalsig Klettern).

  9. Schleifsack und Lampe immer mitnehmen, um nicht im dunkeln zu stehen ohne Ersatzlampe.

  10. Melde dich nach dem Verlassen der Höhle sobald wie möglich zurück, um eine Fehlalarmierung der Rettungskräfte zu vermeiden.

  11. Auch auf dem Weg nach Hause ist Müdigkeit ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor. Plane Pausen ein und/oder gönne dir zwischendurch eine halbe Stunde Schlaf.

Höhlenretter mit Funkgerät in der Hand

4 - Notfälle

  1. Bei Unfällen immer zuerst den Unfallort überblicken. Besteht für mich Gefahr, wenn ich mich dem/der Verunfallten nähere?

  2. Den/die Patient_in gegebenenfalls aus dem Gefahrenbereich heraus bringen, stabilisieren und den Wärmeerhalt sicherstellen.

  3. Bei 3 Personen 1-, bei 5 Personen 2 zum Ausgang schicken, um Hilfe anzufordern und die Retter zum Patienten zu führen.

  4. So viele Personen wie möglich sollten beim Verletzten bleiben, auch aus psychischen Gründen. Eine Unfallsituation ist für alle herausfordernd, daher ist es gut, wenn man sich bei der Versorgung und Betreuung des Verunfallten unterstützen bzw. abwechseln kann.

  5. Informiert euch im Vorfeld, wie ihr euch bei Notfällen in Höhlen am besten verhaltet. Das Beherrschen von Erste Hilfe Maßnahmen sollte für alle Teilnehmer_innen verpflichtend sein. Sprecht euch darüber vor Beginn der Tour im Team ab.