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Definition Höhle

Eine Höhle ist ein natürlich entstandener Hohlraum, der ganz oder teilweise von Gestein umgeben ist, der Sedimente, Wasser und / oder Eis enthalten kann und mindestens so groß ist, dass ein Mensch hinein passt. In Österreich muss eine Höhle für die Aufnahme in den Höhlenkataster, zusätzlich zu den oben genannten Kriterien, eine Mindestganglänge von 5 bis 20 m aufweisen, je nach Katasterführendem Verein. Höhlen entstehen durch Verwitterungs- und Erosionsprozesse. Der wahrscheinlich bekannteste Höhlentyp ist die Karsthöhle, diese entstehen durch Lösung in Karbonat- oder Evaporitgesteinen.

Hohlräume, die von Menschen geschaffen wurden wie z. B. Bergwerke, Erdställe, Felsengräber, Hypogäen, Katakomben, Luftschutzstollen, Souterrains oder artifizielle Wohnhöhlen sind keine Höhlen. In letzter Zeit wird dafür auch der Begriff Subterranea benutzt (abgeleitet von dem lateinischen Wort für „unterirdisch“), bisher aber vorwiegend im Englischen.

Grobe Unterschiede und Besonderheiten

Die Einordnung einer Höhle zu einer der folgenden Gruppen erfolgt nach dem hauptsächlich vorkommenden Höhlentyp. Häufig sind Mischformen anzutreffen, wo verschiedene Höhlentypen innerhalb einer Höhle auftreten.

Ein Höhlenforscher auf einem Geröllberg in einem horizontal verlaufenden Gang

Horizontale Höhlen

Charakter

Der überwiegende Teil der Höhle verläuft so, dass man ihn wandernd, kletternd, schwimmend oder kriechend befahren kann. Es können durchaus vertikale Abschnitte vorkommen, so dass z.B. ein Teil nur mit Seil zu befahren ist.

Besonderheiten

Diese Höhlen sind meist mit wenig technischem Aufwand zu befahren. Der Großteil der touristisch ausgebauten Höhlen entspricht dieser Form.

Zu beachten

Diese Höhlen sollten nicht unterschätzt werden, denn auch auf vermeintlich einfachen Wegen kann man sich trotz guter Trittsicherheit den Fuß vertreten, abrutschen oder sich verirren! Auch Steinschlag kann ein Problem sein.
Bitte beachtet also in jedem Fall die Sicherheitsmaßnahmen und geht kein Risiko ein.
Über die lokalen Vereine könnt ihr euch informieren.

Höhlenforscher beim Abseilen mit seinem Schleifsack vor einem pechschwarzen Hintergrund

Vertikale Höhlen - Schachthöhlen

Charakter

Der überwiegende Teil der Höhle verläuft so, dass man sich am Seil fortbewegt. Es wird meist die Ein-Seil-Technik verwendet (mehr dazu hier ), teilweise findet man auch Stahlleitern oder andere Steighilfen vor.

Besonderheiten

Diese Höhlen sind technisch anspruchsvoll und selten touristisch ausgebaut. Man muss mit der richtigen Ausrüstung ausgestattet und im Umgang mit der Technik trainiert sein.

Zu beachten

Im Umgang mit der Seiltechnik ist viel Übung und Wissen erforderlich, da es durch falsches Material, falsche Anwendung oder falsche Lagerung des Materials zu Unfällen kommen kann.
Für Schachthöhlenbefahrungen ist eine besonders gute Vorbereitung nötig; im Notfall sollte eine Kameradenrettung aus dem Seil beherrscht werden!
Nimm an den Trainingsangeboten teil und schließe dich Vereinen an, um sicher unterwegs zu sein.

Zwei Höhlenforscher in einem Schlauchboot auf einem grün erleuchteten See in einer Höhle

Wasserführende Höhlen

Charakter

Wasserhöhlen sind Höhlen, die ständig Wasser führen, entwedet in Form eines Höhelnbaches, einer Schwinde oder einer Karstquelle.

Wasserhöhlen bestechen meist durch eine sehr frische und scharfkantige Struktur des Gesteins.
Die Fließfacetten (Strukturen im Gestein entstanden durch Wasser) ergeben ein spannend dynamisch und gleichmäßiges Bild, wobei durch das Wasser abgebauter Kalkstein scharf wie ein Messer sein kann.

Die Geräuschkulisse durch den Bach oder Wasserfälle wie auch die Lichtreflektionen sind atemberaubend.

Besonderheiten

Der Wärmeerhalt sollte durch einen Neoprenanzug gesichert sein.
Nicht immer ist das Wasser trinkbar.

Vorbereitung und Ausrüstung sind sehr wichtig!
In Wasserhöhlen kann sich die Befahrbarkeit von Höhlenteilen durch Flutung bei Niederschlägen schnell ändern.

Zu beachten

Wasserhöhlen können schnell durch steigende Wasserpegel geflutet werden. Das tritt manchmal in Sekundenschnelle ein, teils aber auch erst nach Stunden oder sogar Tagen zeitversetzt zum Regen.
Geflutete Gänge, kräftige Wasserfälle und reißende unterirdische Flüsse sind die Folge.
Am besten man begeht solche Höhlen zuerst mit Lokalen Kontakten oder mit zuverlässigen und umfassenden Informationen.

AKTUELLE WETTERBEDINGUNGEN UND WARNSCHILDER UNBEDINGT BEACHTEN, HIER DROHT LEBENSGEFAHR !!!!

Höhlenforscher mit Steigeisen vor blau leuchtenden Eissfällen

Eishöhlen

Charakter

Das Glitzern der Eiskristalle und der Eindruck von Gletscherwänden unter der Erde ist so außergewöhnlich, dass man sich fühlt wie Alice im Wunderland!

In Eishöhlen ist das Eis das beherrschende Element. Ein großer Teil der Bodenflächen besteht aus Eis; aber auch Wände in Form erstarrter Wasserfälle und bizarre Eisfiguren, die durch Tropfwassser überall entstehen können, tragen zu einem einzigartigen Erscheinungsbild bei.

Besonderheiten

Eishöhlen bestehen sommers wie winters; allerdings verändern sie ihr Erscheinungsbild ständig. Die Veränderungen von Jahr zu Jahr sind groß und Gänge, die zuvor begehbar waren können durch Eis komplett verschlossen sein.
Andererseits können durch eine veränderte Wetterführung Gänge in Erscheinung treten, wo vorher nur geschlossene Eisflächen existierten.

Zu beachten

Durch schmelzendes und wachsendes Eis verändert sich die Höhle eventuell sehr stark in relativ kurzer Zeit.

Bei Wasserkontakt vereisen Seile eventuell schon nach wenigen Minuten.

Beim Begehen von Eis sind häufig Steigeisen notwendig und der entsprechende Umgang mit dem Gerät muss geübt sein.

Eisbruch und herunterfallende Eiszapfen sind eine nicht zu unterschätzende Gefahr!

Durch die Kälte muss besonders auf Wärmeerhalt geachtet werden. Auch im Notfallpaket sollte hier vorgesorgt sein um eine verletzte Person wärmen zu können.

Generelle Gefahren in allen Höhlen

  • Steinschlag/Eisschlag (besonders im "Neuland" anzutreffen, aber auch sonst eine Gefahr, mit der immer gerehcnte werden muss)

  • Orientierungsverlust (fehlendes Kartenmaterial oder Wegmarkierungen durch Steine oder andere höhleneigene Materialien)

  • Verletzungen (häufig Verletzungen des Bewegungsapparates, physische Erschöpfung, psychologische Probleme wie Angstzustände...)

  • Unterkühlung (Bedingt durch ungeplante Ereignisse wie oben genannt, Wassereinbruch...)

  • Einschluss (Flutung von Höhlenteilen, Felsstürze, Materialverlust,...)

Alle diese Gefahren sind immer präsent und können nie komplett verhindert werden.
Durch die richtige Ausrüstung, Training, Wissen, Sicherheitsmaßnahmen und langsames Herangehen können sie allerdings soweit reduziert werden, dass das Hobby Höhle den Vergleich mit den Alltagsrisiken und anderen Hobbys nicht scheuen braucht.

Generell zu schützen

Generell gilt: wir hinterlassen die Höhlen wie wir sie vorgefunden haben!

  • Tropfsteine wachsen sehr langsam und sind für jeden faszinierend anzusehen - lasse sie unberührt und vor allem vor Ort!

  • Tiere verstecken sich in Höhlen oder halten dort Winterschlaf - gönne ihnen ihre Ruhe und unterbreche ihre Ruhephasen nicht, da sie das häufig nicht überleben.

  • Wasser - Verschmutze es nicht, denn andere nehmen es als Quelle aus dem Fels wahr und trinken es, wie auch die Tiere.

  • Verschmutzung - Nimm deinen Müll wieder mit und auch jenen welchen du von anderen findest, das Ökosystem der Höhlen ist fragil und sensibel.

Detailiertere Informationen zu Höhlenbezeichnungen

Bezeichnung nach der Entstehung

  • Auswitterungshöhle: durch Frostsprengung entstanden

  • Karsthöhle/ Korrosionshöhle: durch Korrosion von Gestein entstanden

  • Spalthöhle: durch Massenbewegungen im Festgestein entstanden

  • Überdeckungshöhle: Höhle unter und/ oder zwischen Felsblöcken, die durch Massenbewegungen umgelagert wurden

  • Uferhöhle: Höhle an einem Oberflächengewässer, durch Seitenerosion des Flusses entstanden

Höhlentypen die nicht in Deutschland und Österreich vorkommen:

  • Brandungshöhle: durch die Meeresbrandung entstanden

  • Windhöhle oder äolische Höhle: durch Winderosion entstanden

Bezeichnung nach der Gestalt

  • Durchgangshöhle: Höhle mit mehreren Eingängen, die nicht nebeneinander liegen

  • Horizontalhöhle: überwiegend horizontales Gangsystem

  • Schachthöhle: überwiegend vertikales Gangsystem (vgl. Schacht)

  • Eishöhle: Höhle, bei der wesentliche Teile (insbesondere eingangsnahe Teile) vereist sind

  • Wasserhöhle: Höhle, in der ein Fluss fließt

Bezeichnung nach dem Gestein

  • Gipshöhle: durch Lösung von Gips entstanden

  • Karsthöhle: durch Lösung von Karbonatgestein (Kalkstein, Dolomit) entstanden

  • Tuffhöhle: durch Ausfällung von Calcit an Quellen entstanden

Höhlen in besonderen Umgebungen

  • Gletscherhöhle: Höhle in einem Gletscher, entstanden durch Spaltenbildung und Schmelzwasser

  • Lavahöhle: Höhle, die durch Entgasung in ausgeflossener Lava entstanden ist und somit vulkanischen Ursprungs ist


Höhlenvermessung, regionale Besonderheiten, Landesspezifische Regeln und Genehmigungen

Diese Informationen bekommst du von den Lokalen Vereinen oder zumindest von deren Kontakten.
Melde dich bei einem Verein deiner Wahl und sie werden dir sicher weiter helfen oder dich an eine entsprechende Stelle (Person, Verein, Behörde, usw.) weiterleiten.